Tageszeitung aus Basel
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"Ich halte mich selbst noch für jung"
Doris Leuthard ehrte die Junge CVP Schweiz im Basler Rathaus mit ihrem Besuch
Artikel vom Montag, 28. August 2006
Miriam Glass
Sie kam, lächelte und sprach: Bundesrätin Doris
Leuthard erläuterte der Jungen CVP Schweiz am Samstag ihre Argumente
gegen die Kosa-Initiative. Die Junge CVP hat die Nein-Parole
beschlossen.
«Ich bin nervös», gesteht Simon Oberbeck. Man siehts. Der Präsident
der Jungen CVP Schweiz zieht hastig an seiner Zigarette. Er steht
draussen vor dem Rathaus und macht eine kurze Pause, bevor er wieder
nach drinnen eilt, um nach dem Rechten zu sehen. «Ich hoffe, es klappt
alles, mit dem Vortrag, den Geschenken», sagt Oberbeck. Es muss
klappen. Keine Panne darf es geben, weder vor den Medien noch vor dem
prominenten Gast: Bundesrätin Doris Leuthard höchstpersönlich.
Vor dem Rathaus deutet nichts darauf hin, dass gleich eine Bundesrätin
eintreffen wird. Ein paar Touristen filmen den Hof und den Aufgang zum
Grossen Saal. Ein Lieferwagen vom Migros-Catering steht unauffällig
halb auf dem Trottoir. Seine Fracht - Maissalat, Blattsalat,
Selleriesalat - haben Helferinnen in den Hinterhof des Rathauses
getragen. Hier stärken sich die Politikerinnen und Politiker der jungen
CVP Schweiz. Sie haben am Vormittag ihre Statuten revidiert und Wahlen
für den Parteivorstand abgehalten. Aber das Wichtigste, Doris Leuthards
Auftritt, steht noch bevor.
Höhepunkt. «Natürlich waren die
Statutenänderungen und die Wahlen auch interessant. Aber das Referat
von Doris Leuthard ist für mich der Höhepunkt des Parteitages», sagt
Thomas Cadusch. Er ist Kassier der Jungen CVP und extra aus Gossau im
Kanton St. Gallen angereist. Mit ihm warten etwa fünfzig weitere Gäste
auf Doris Leuthard.
Um 12.25 Uhr ruft jemand an der Tür: «Sie kommt, sie kommt!» Und da
ist sie auch schon. Schüttelt Hände und isst im Hof einen Teller
Migros-Salat. Dass das Objektiv eines Fotografen fast in ihrem Essen
hängt, übersieht die Bundesrätin höflich. Ob sie die Erwartungen der
jungen Leute im Hof wird erfüllen können? Doris Leuthard gibt sich
zuversichtlich. «Ich halte mich ja selbst auch noch für jung», sagt die
43-Jährige und lächelt charmant. Sie komme zu den Jungen, weil es ihr
um Austausch gehe. «Sie sind in einer Lebensphase, in der sie
Erfahrungen in den Bereichen machen, über die wir in der Politik
diskutieren. Zum Beispiel was die Themen Bildung und Forschung
betrifft», sagt die Bundesrätin.
Für einen wirklichen Austausch mit den jungen Erwachsenen ist die Zeit
aber zu knapp. Während des kurzen Imbisses unterhalten sich vor allem
die älteren, in der Politik schon etablierten Gäste mit Doris Leuthard.
Neben ihr stehen Carlo Conti, Vorsteher des Basler
Gesundheitsdepartements, und alt Nationalrat Heinz Allenspach (FDP/ZH).
Die jüngeren Anwesenden bilden nach der kurzen Begrüssung einen weiten
Kreis um Leuthard, und bevor sie näherrücken können, verschwindet die
Bundesrätin mit den Medienvertretern.
«Liebe Doris.»Auf Carlo Contis
Begrüssungsreferat kann sich so mancher Zuhörer nicht konzentrieren,
weil Fernsehkameras und Fotoapparate auch das Publikum aufnehmen. Doch
als Simon Oberbeck Leuthards Referat ankündigt, richtet sich die
Aufmerksamkeit schlagartig aufs Podium. Die «sehr geehrte Bundesrätin
und liebe Doris» trägt ihre Argumente gegen die Kosa-Initiative vor.
Nationalbankgewinne sollten nicht der AHV zugeführt werden, weil dies
keine nachhaltige Lösung sei und zudem die Unabhängigkeit der
Nationalbank und die Stabilität des Schweizer Frankens gefährde, so
Leuthard.
Minuten später rennt Simon Oberbeck die Treppe hinunter und auf die
Strasse, wo Leuthard gerade in einen schwarzen Personenwagen steigt.
Sie schüttelt Oberbeck die Hand. Dann ist sie weg. Alles hat geklappt.
«Bin froh», sagt Oberbeck. Und eilt die Treppe wieder hinauf, um weiter
nach dem Rechten zu sehen.
Junge CVP fasst Ja-Parole zum BildungsartikelDie Delegierten der Jungen CVP Schweiz (JCVP) empfehlen einstimmig bei der Abstimmung am 21. Mai ein Ja zum Bildungsrahmenartikel.Artikel vom Montag, 24. April 2006